Adventsansprache in der Gollanwerft

Winfried Stöcker und Peter Harry Carstensen

Adventsansprache in der Gollanwerft                       Lübeck 10. 12. 2018

Liebe Kollegen!

 

Heute kann ich Euch verkündigen, dass viele von uns meinem Aufruf vom letzten Jahr gefolgt sind und frohen Herzens hübsche Kinder in die Welt gesetzt haben. Ein schönes Motto für den Advent: Lasset die Kindlein zu mir kommen! Es waren im laufenden Jahr bis jetzt 92, elf davon waren nach neuen Maßstäben „sittlich nicht akzeptabel“, da sich beide Eltern in unserer Firma kennengelernt haben. Gegen den Willen mancher Aktivisten, die sich für uns verantwortlich fühlen und uns umerziehen wollen. Aber wir lassen uns nicht vorschreiben, wen wir lieben dürfen und wen nicht.

Über meine Ansprache vor einem Jahr hat sich halb Lübeck aufgeregt, angeheizt von einem armseligen Provinzblättchen. Die Universität wollte mir doch gleich widerrechtlich einen Titel aberkennen. Und an unsere neuen Arbeitgeber in Boston hat der Stiftungsrat der Universität geschrieben, man solle mich doch aus EUROIMMUN hinauswerfen und ob man denn in Amerika keinen ethischen Prinzipien verpflichtet sei! Weil ich mich rotgrüner Einfalt nicht unterwerfen will, soll ich auch gleich meinen Job verlieren? Ich finde in meinem Alter so schnell nichts anderes mehr!

Es sind Pharisäer, und indem sie mich denunzieren, setzen sie sich selbst ins Unrecht. Sie glauben, die Moral sei auf Ihrer Seite, und mit dem Mut einer vermeintlichen Überzahl prügeln sie tapfer auf den anscheinend Schwächeren! Was für ein Vorbild sie doch abgeben! Sie müssten sich ja fast noch an das Dritte Reich erinnern können, als Tausende verdienter Persönlichkeiten ihrer Ämter enthoben wurden, weil sie keine Arier waren oder sich getraut hatten, dem Dogma der Volksmehrheit zu widersprechen. Vielleicht wenigstens an die Diktatur des Proletariats in der Ostzone. Die Geschichte wiederholt sich, nur finden Beschränktheit, Intoleranz und Lynchjustiz immer wieder neue Spielfelder. Die (andere) Hälfte unserer heutigen deutschen Bevölkerung ist übrigens noch bei Verstand.

Ganz vergessen oder übersehen hat das undankbare Volk, dass ich vor ein paar Jahren den EINZIGEN maßgeblichen Beitrag zum Erhalt der Lübecker Universitätsmedizin geleistet habe, als die Landesregierung sie 2010 schließen wollte. Damals war Ministerpräsident Carstensen mit einer Schautafel herumgereist und hatte jedem, der es sehen wollte oder nicht, den Fehlbetrag von jährlich 25 Millionen EURO vor Augen geführt. Ich habe ihm aber klargemacht, dass die Firma EUROIMMUN dem Land diesen Verlust mehrfach kompensieren würde, wenn sie sich keinen neuen Wissenschafts-Standort suchen muss.

Der erste, den Herr Carstensen unmittelbar nach seiner Verhandlung mit Frau Schavan in Berlin angerufen und über die Rücknahme seiner Entscheidung informiert hat, voller Erleichterung, war nicht der (machtlose) Herr Präsident der Lübecker Universität, sondern der Vorstandsvorsitzende der EUROIMMUN AG. Und ich habe meine Ankündigungen wahrgemacht: Allein letztes Jahr haben wir Deutschlands Norden mit einem Geldregen von mehr als dreihundert Millionen EURO Steuern überschüttet!

In unserem Lande hat sich eine Diktatur des Mittelmaßes breitgemacht. Ich wende mich dagegen und werde dafür kritisiert. Aber ich betrachte es als meine Pflicht, der Blindheit entgegenzutreten und mache Gebrauch von meinem wachen Verstand, im Gegensatz zu manchem akademischen Rentner.

Danke, dass Ihr, meine Kollegen, mir geholfen habt, die widerwärtige Kritik zu ertragen, indem Ihr mir dieses Jahr so besonders freundlich begegnet seid, ich glaube, noch mehr denn je. Ein Glück zu sehen, wie Ihr doch gar kein Spiegelbild des Mittelmaßes abgebt.

Unser erstes Jahr unter der Ägide der Firma PerkinElmer haben wir erfolgreich überstanden, haben viele neue Erfindungen angemeldet und auf den Weg gebracht, ein neues Gebäude in Dassow eingeweiht, nächstes Jahr werden Selmsdorf und Tianjin bezogen, das Umsatzvolumen ist in steter Gewohnheit gewachsen, diesmal um 13%, wir werden 310 Millionen Euro erreichen. Danke für Euren maßgeblichen Beitrag zu unserem Fortschritt. Ich wünsche eine schöne friedliche Weihnachtszeit.

Nachtrag:

Die Universität ließ Anfang 2018 ihren Sprecher Herrn Labahn öffentlich behaupten, es bestünden keine Kooperationen mehr (wir finanzierten Anfang dieses Jahres 14 Stellen der Lübecker Universität im Rahmen verschiedener Kooperationsprojekte, mit einem zugewendeten Volumen von über einer Million EURO im Jahr) oder ich persönlich wäre nicht an der Ausbildung der Studenten beteiligt, dabei war und bin ich maßgeblich an der Betreuung einer großen Zahl von Master-, Bachelor- und Doktorarbeiten beteiligt. Mit unserer wissenschaftlichen und technologischen Leistungskraft brauchen wir uns übrigens hinter keinem Institut der Lübecker Universität zu verstecken, mein eigenes Publikationsverzeichnis findet man unter www.winfried-stoecker.de.

 

 

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