Bemalte Spiegeleier für das Osterfest

One (!) small hole is punched into an egg. Using a syringe and a needle, air is blown into the egg and the content squeezed out. The inside is washed with water and sterilization is performed with steam for 10 minutes by help of an egg cooker. The surface is polished with diamond papers to obtain a shine like porcelain. Flowers or birds and landscape are painted onto the egg. A thin bar equipped with a file of nylon is inserted into the hole to hang the egg onto a branch of birch.

 

Man suche sich zuerst aus einem Gelege einige schön geformte Hühnereier aus. Mit einer starken Taschenlampe wird jedes Ei durchleuchtet und Schwächlinge mit Kalk-armen Flecken aussortiert, die sind nicht stabil genug. Die Farbe spielt bei der Auswahl keine Rolle, durch unsere Behandlung werden die Eier zum Schluss ohnehin alle weiß.

Ausblasen

Zu allererst werden die Eier mit Spülmittel und Papiertuch ordentlich abgewaschen. Im Kindergarten ist es Tradition, mit einem Nagel in jedes Ei zwei riesige Löcher einzuschlagen, eines an jedem Pol. In das eine Loch wird mit dem Mund Luft hineingepustet, aus dem anderen entleert sich dabei der Inhalt. Als Angehörige der Medizinberufe haben wir aber immer eine Spritze und Kanülen zur Hand, um Ostereier zu perforieren und auszublasen. Wir brauchen nur eine einzige, sehr kleine Öffnung – Eingang und Ausgang zugleich. Sie leistet später auch gute Dienste als elementarer Bestandteil der Aufhängung, und wird am kleineren Pol angebracht, haargenau in der Mitte. Versucht man diese freihändig zu finden, geht das jedes zweite Mal daneben. Dann hängt das Ei schief und, noch schlimmer, es dreht sich unrund, wenn es, am Osterstrauß schwebend, in Bewegung gesetzt wird. Das erinnert dann weniger an eine pirouettierende Eistänzerin, sondern mehr dem enttäuschend wenig eleganten Schaukelflug des Adlers.

Wie trifft man also bei der Perforation die richtige Stelle? Wir machen uns mit dem Finger einen hauchdünnen Film Butter, Öl oder Wasserfarbe auf einen Teller und stellen das Ei schön gerade mit der Spitze auf diesen Film. Das wiederholen wir, nachdem wir das Ei 90° um seine Zentralachse gedreht haben. Die Spitze präsentiert uns jetzt ein sehr kleines benetztes Feld, in dessen Zentrum wir die Punktion vollziehen. Dazu verwenden wir eine abgebrochene Kanüle und einen schweren Hammer.

Wir verdrängen den Inhalt des Eies, indem wir mit der Spritze Luft in die Öffnung injizieren. Bis zur völligen Entleerung halten wir jetzt die Öffnung stets nach unten. Zwischen jeder Luftinjektion stellen wir das Ei in ein durchsichtiges Schnapsglas. Zuerst tritt das flüssige Eiweiß aus, später auch das Eigelb.  Am Anfang darf man nur einen Kubikzentimeter Luft injizieren, sonst platzt das Ei, weil sich Eiweiß und Eigelb im Gegensatz zu Luft kaum komprimieren lassen. Immer wieder zieht man die Kanüle heraus, um Platz zu schaffen. Je mehr Luft man eingebracht hat, umso mehr permanenten Überdruck kann man aufbauen, der beständig die Flüssigkeit nach außen treibt. Um die Sache anzukurbeln, bewegt man die Kanüle von Zeit zu Zeit ein wenig in der Öffnung hin und her und drückt immer wieder etwas Luft nach. Verstopft ein Stückchen Eihaut die Öffnung, ziehen wir es mit einer Pinzette weg oder streifen es an einem Papierhandtuch ab. Nach einer halben Stunde entweicht hörbar der Überdruck und am Ostium schäumt es, man kann das Ei waschen gehen.

Beim Ausblasen mit der Spritze ist im übrigen Vorsicht geboten: Pumpt man unachtsam zu viel Luft in das Ei, kann es mit einem höllischen Donnerschlag detonieren und durchaus ein Knalltrauma hervorrufen. Ungeübte sollten deswegen bei dieser Betätigung vorsichtshalber einen Hörschutz tragen und Kinder fernhalten.

Eine Vereinfachung für Kinder: Während Puristen das Ei an seiner Spitze mit einer (ultradünnen) 28er Kanüle penetrieren und es mit diesem Kaliber auch ausblasen, nehmt Ihr eine (dicke) 1er Kanüle und macht mit ihr das Loch an der Seite. Während man dort die Luft mit der (dünneren) 28er Kanüle injiziert, kann die Flüssigkeit schon austreten, weil sie das Loch nicht voll blockiert wie die Einser. Man braucht die Nadel nicht immer wieder herausziehen, um der Flüssigkeit Platz zu machen, das Ausblasen und ggf. inwändige Waschen geht ruckzuck und es besteht kaum noch Explosionsgefahr. Später wird das große Loch einfach mit Farbe verschlossen und übermalt. Und zum Schluss macht Ihr an der Polspitze ein zusätzliches (unausgefranstes!) Loch mit einer 28er Nadel für eine elegante ultradünne Aufhängung mit dem Nylonfaden. Die verlogene Punktion sollte seitlich, in Richtung des spitzen Pols ausgeführt werden, vielleicht in der Mitte zwischen Polspitze und seitlicher Zirkumferenz, dass man später im Eier-Waschsalon immer gleich weiß, wie herum das ovale Kalkgebilde in die Spülflüssigkeit getaucht werden muss.

Zum Ausspülen der Eier injizieren wir mehrmals ein paar Kubikzentimeter Seifenwasser in das Loch, schütteln das Ei und drücken den Inhalt wieder pneumatisch heraus. Das machen wir fünfmal, solange, bis die aus dem Ei spritzende Brühe nicht mehr trüb ist. Danach erleichtern wir uns die Arbeit durch ein Wechselbad: Fasst das Ei mit einer Grillzange an und lasst langsam kochend heißes Wasser darüber tropfen: Die Luft im Ei erwärmt sich und dehnt sich aus. Jetzt taucht Ihr das Ei innerhalb einer Sekunde mit dem Loch nach unten tief in eine Schüssel mit kaltem Wasser: Die Luft zieht sich zusammen und das Wasser strömt ein. Dann schüttelt das Ei und gießt wieder etwas heißes Wasser darüber, befindet sich das Loch unten, spritzt der Inhalt heraus. Falls der Druck nachlässt, bevor das Ei leer ist, taucht man es 10 Sekunden lang ins kalte Wasser und lässt dabei das Atemloch heraus schauen, wie der Wal, wenn er atmet. Jetzt noch einmal heiß, mit dem Loch nach unten, und der Rest entleert sich. Man prüfe vor dem Beträufeln mit dem heißen Wasser, ob das Loch frei „atmen“ kann und nicht durch Eihaut-Reste verstopft ist, so manches Ei ist mir schon explodiert, als ich es schlagartig in kochendes Wasser gehalten habe. Ab 50°C gerinnen das Eiweiß und das Eigelb, deshalb sollte man das Wasser bei den ersten Spülgängen mit der Spritze injizieren und ausblasen, und erst danach mit dem Wechselbad beginnen.

Ich wende etwa 15 Thermocyclen an, dann ist das Ei innen sauber. Früher habe ich für alle Schritte der Innenwäsche das Wasser durch die (lange) 28er Kanüle ins Ei gepresst (die Daumen-Grundgelenke brachten sich nach solchen Aktionen immer eine Woche lang schmerzend in Erinnerung). Das Innenkaliber der Kanüle ist weitaus enger als unser Loch im Ei, und die Kanüle ist 50 Mal länger als die Eierschale dick. Entsprechend mühsam war die Waschprozedur mit der Spritze, und ich bin froh, mit der Wechselbad-Technik eine einfache und schnelle Alternative gefunden zu haben, vielleicht erhalte ich dafür auch noch einen Nobelpreis, wie die Erfinder der Thermocyclus-basierten Polymerase-Chain-Reaktion. Man kann als Wärmequelle auch einen Küchenofen verwenden, den man auf 80°C stellt, und gleichzeitig 20 Eier nebeneinander leertropfen lassen.

Am Ende der Spül-Prozedur werden die von Spülflüssigkeit restlos entleerten Eier einer 15-minütigen Dampf-Sterilisation unterworfen – im Eierkocher oder im Konvektomaten, dass bis zum nächsten Ostern innen keine Bakterien wachsen, auf deren Beitrag zur farblichen Verzierung der Oberfläche und Aromatisierung der Atemluft wir gerne verzichten. Das passiert, wenn man auf das Waschen ganz verzichtet. Im Falle der Massenproduktion (ab zwei Eiern) legt man vorsichtshalber jedes Ei einzeln in eine Tasse, dass nicht beim Ansteigen der Temperatur Obstipations-bedingte Explosionen auftreten und benachbarte Kollegen auch noch beschädigt werden.

Abschleifen und polieren

Jetzt ist es Zeit, sich der Oberfläche der Eier zu widmen und sie abzuschleifen und glatt zu polieren, bevor man mit der Bemalung beginnt: Ein zu grobes Schleifpapier kann zwar sehr effizient sein, macht aber tiefe Spuren, die man später nicht mehr wegbekommt. Erst wenn man bei den feineren Körnungen angelangt ist, wird der Schaden in Form von nicht hinnehmbaren Kratzern sichtbar. Verwendet mit künstlichen Industrie-Diamanten beschichtete Folien, und startet mit Körnung 45. Mit dieser müsst Ihr das Ei so lange traktieren, bis sämtliche Grübchen definitiv abgerieben sind. Und drückt nicht zu fest, damit auch die 45er Folie keine zu tiefen Spuren hinterlässt.

Am besten hält man das Ei beim Abschleifen mit einer Hand fest umschlossen und lässt einen Spalt frei, der vom Daumenendglied der anderen Hand bearbeitet wird, auf das man sein Stück Schleiffolie geklebt hat. Zuerst schiebt und zieht man langstreckig in Richtung der beiden Pole, dann reibt man kreisförmig. Immer wieder im Wechsel. Man wendet in beiden Richtungen etwas Druck an, überfordert aber nicht die Stabilität der Schale. Solange der Diamant etwas zu greifen hat und das Schieben und Ziehen schwer geht, ist man noch nicht fertig.  Mit der 45er Körnung müssen erst einmal die groben Unebenheiten der natürlichen Deckschicht überwunden werden, bei jeder der nächsten Folien mit zunehmend feinerer Körnung werden dann die Krater abgeschliffen, die von der jeweiligen Vorgängerfolie eingraviert wurden. Deshalb fühlt man auf jeder Stufe zu Beginn einen höheren Reibungswiderstand als am Ende. Je weniger es bremst und je weniger heiser es beim Polieren klingt, umso näher ist man bei jeder Körnung dem Ziel – vorausgesetzt, die Diamantschicht hat sich noch nicht von der Folie abgelöst. Zum Schluss jeder Stufe poliert man das ganze Ei mit einem frischen Folienabschnitt und drückt jetzt nur noch leicht, damit sich keine tieferen Furchen bilden, als die nächstkleineren Diamanten bewältigen könnten. Man sollte den Arbeitsfortschritt immer wieder im hellen Sonnenlicht oder mit einer starken Lampe kontrollieren.

Nass-Schleifen: Setzt bei Stufe 45 und der darauffolgenden Stufe 30 am besten Wasser ein: Es erhöht erstens die Adhäsionskräfte und damit die Effizienz, zweitens spült es den Abrieb weg. Man kommt bei den Körnungen 45 und 30 mit Wasser mindestens doppelt so schnell vorwärts wie beim Trockenschleifen. Immer wieder mit einer Fingerspitze einen Tropfen Wasser applizieren, spätestens dann, wenn der sich bildende Schlamm zu dick wird. Dieser bremst sehr stark, und es fühlt sich auch am Ende jeder Stufe an, als ob man mit der jeweiligen Folie an der gerade bearbeiteten Stelle noch viel zu schleifen hätte – nach dem Applizieren des Wassertropfens geht es wieder ganz leicht. Der Schlamm behindert das Abreiben, also immer wieder wegwischen, vom Ei und von der Schleiffolie. Man muss im Übrigen aufpassen, dass die Klebeschicht der Folie beim Schleifen nicht nass wird, sonst löst sich das Schleifpapier sehr schnell vom Daumen. In diesem Fall braucht man ein starkes Doppelklebeband, um das teure Schleifpapier aufbrauchen zu können.

Mit der 45er Körnung wird erst einmal die ganze harte Oberfläche trocken abgehobelt, dann macht man bald mit Körnung 30 weiter, die weniger tiefe Spuren hinterlässt. Mit keiner Stufe darf man zu fest aufdrücken, sonst sieht man am Ende in der glänzenden Oberfläche Schleifspuren! Das gilt besonders für Stufe 45. Folien 45 und 30 von 3M sind wasserfest, bei den Folien mit feinerer Körnung ist das nicht der Fall. Man erhält aber ein gleich gutes Ergebnis wie beim Nass-Schleifen, wenn man von 15 bis 0,1 Mikrometer trocken durchpoliert. Jetzt steht der Abtransport des Abriebs nicht mehr so im Vordergrund, man muss aber trotzdem ständig den feinen weißen Staub mit einem Tuch (Hemdsärmel) von der Diamantfolie wischen, sonst behindert er den Schleifvorgang, sich zwischen die Diamantkörner setzend, und täuscht außerdem akustisch und taktil eine Rest-Rauigkeit vor (vielleicht weil er die Reibung erhöht). Für jede trockene Bearbeitungsstufe reichen ein oder zwei Daumenendglied-große Folienstückchen aus, nass braucht man dreimal so viele, und es ist langwieriger. Zudem löst das Wasser die Diamantschicht ab, dann fühlt es sich an, als ob man mit dieser Körnung durch wäre, und reibt eine Viertelstunde umsonst.

Will jemand auch mit den feineren Körnungen als 45 und 30 Mikrometer Wasser einsetzen, empfiehlt es sich, bei jeder neuen (feineren) Stufe doch erst einmal trocken anzufangen, bis die Krater der Vorgänger-Diamanten weitgehend abgetragen sind: Das erhöht beim anschließenden Nass-Schleifen die Standzeit des Schleifpapiers, weil die mit einem wasserlöslichen Kleber auf der Folie befestigten Diamantkörner jetzt von den Kratern nicht mehr so stark tangential abgeschert werden können. Wer dem reinen Trockenpolieren mit den feineren Körnungen nicht traut, kann gegen Ende jeder Stufe das Ei Stelle für Stelle anhauchen und dann mit einem frischen Stück Schleifpapier nachpolieren, das erhöht die Adhäsionskräfte und den Poliereffekt – das Endergebnis wird aber nach meinem heutigen Erkenntnisstand nicht viel besser.

Irgendwann nutzt sich die Diamantschicht ab, auch beim Trockenpolieren, und bei jeder Stufe: Man fühlt weniger Reibung, wenn man mit dem Finger über die diamantene Oberfläche streicht. Dann nimmt man einen neuen Folienabschnitt. Den feineren Sorten sieht man die Abnutzung an, wenn man die Abschnitte gegen das Licht hält – die Folie wird an den betroffenen Stellen durchsichtig oder die Diamantseite spiegelt das Licht.

Vor jedem Übergang auf die nächstfeinere Körnung muss all das Material vollständig und gleichmäßig abgeschliffen sein, was mit der aktuell verwendeten Folie zu schaffen ist. Die lichtstarke Leuchtlupe beweist es: Eine halbe Stunde mit Stufe 45 reicht nicht aus, es finden sich in der Regel immer noch Bereiche mit Grübchen, die sich meistens auch vom Weiß der total abgeschliffenen Oberfläche abheben, und die müssen weg, sonst ärgert man sich später, denn die Unvollkommenheiten werden immer deutlicher, je feiner die Polierstufe ist, die man erreicht hat. Bei der Ermessung des Zeitaufwandes für jedes zu polierende Ei veranschlage ich ein bis zwei Stunden mit der Stufe 45, eine halbe Stunde mit Stufe 30 und jeweils 5 Minuten mit jeder weiteren Folie. Und durchleuchtet das Ei zwischendurch mit einer kräftigen Taschenlampe, ob die Schale irgendwo dünn geworden ist, dann muss man vorsichtig werden und im Zweifelsfall auf vollendeten Glanz verzichten, vielleicht übermalt man die Schwachstellen zum Schluss. Sonst hat man drei Stunden lang poliert, es macht am Ende „klick“, und man kann die Schale nur noch an die Hühner verfüttern, recyclieren.

Sobald man mit 0,1 Mikrometer fertig ist, glänzt das Ei gleichmäßig auf der gesamten Oberfläche wie Meißener Porzellan und zeigt eine an keiner Stelle unterbrochene Spiegelwirkung (Spiegelei). Nach drei oder vier Stunden Schwerarbeit kann man endlich mit der Bemalung beginnen. Spätestens jetzt, aber auch schon ab 9 Mikrometer, wo die Eierschale Glanz zu zeigen beginnt, werden Nachlässigkeiten sichtbar, die man auf einer oder mehreren vorangegangenen Polierstufen geglaubt hat, sich leisten zu dürfen: Da und dort treten in aller Deutlichkeit anklagende Grübchen oder Kratzer zutage, oder manche Teilflächen sind stumpf geblieben und lassen den vollendeten Glanz vermissen. Man kann den Makel vielleicht durch Übermalung unter den Teppich kehren, wo das nicht möglich ist, man wird sein Leben lang zu Ostern auf sein Versagen hingewiesen. Zur einzig möglichen Entschuldigung kann man auf Schwachstellen der Schale hinweisen, die eine absolute Glanzleistung vereitelt haben.

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