Lübeck Air: Fliegen ist schöner! Wir fliegen dem Zug davon!

Von Prof. Jürgen Friedel und Prof. Winfried Stöcker

 

LübeckAir: Fliegen ist schöner! Wir fliegen dem Zug davon!

 

Als neue Betreiber des Lübecker Flughafens hatten wir eigentlich vor, ab April 2020 für regelmäßige Flüge zu sorgen. Zu den ersten Zielen sollten München, Wien, Hangzhou und Zhenjiang gehören.

Jetzt werden aber Stimmen laut, die das Ende des Flugverkehrs innerhalb Deutschlands einfordern. Wir sollen nur noch mit der Bahn fahren. Flugzeuge machen zu viel Lärm und verbrauchen zu viel Treibstoff – und der wird noch dazu aus Erdöl gewonnen, während die Bahn mit Energie aus nicht fossilen Quellen auskommt, etwa aus der Steckdose. Dabei ist heute Strom die teuerste Alternative, man muss nur einmal Heizungsrechnungen miteinander vergleichen. Aber es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Welt ausreichend mit Sonnenenergie versorgt wird, gewonnen vermittels Photovoltaik und Solarthermie in den sonnenreichen Ländern, und verlustarm mit Tausendkilovolt-Gleichstrom-Leitungen zu den Verbrauchern nach Europa transportiert. Sonnenenergie wird auch der Herstellung sauberen künstlichen Benzins dienen, weitaus weniger schädlich für die Umwelt als Batterien.

Was die Schall-Emission betrifft, ist das Flugzeug gegenüber der Bahn sogar im Vorteil. Beim Start ist es zwar etwas laut, aber hat es die Reiseflughöhe erreicht, stört es uns am Boden nicht mehr. Von den modernen Flugzeugen geht wesentlich weniger Lärm aus als von den alten, sie sind flüsterleise, und mit weiteren Verbesserungen ist zu rechnen. Der ICE macht dagegen auf seiner gesamten Trasse einen riesigen kilometerweiten Krach, dass man in der Nacht mancherorts jede halbe Stunde geweckt wird und nicht wieder einschlafen kann. Dagegen gilt für fast alle Flughäfen eine Nachtflugbeschränkung.

In der CO2-Bilanz schneidet ein ICE auf kurzen Strecken pro Personenkilometer in der Tat etwas besser ab als ein Verkehrsflugzeug. Die Bahn könnte sogar nachlegen und ihren Energieverbrauch noch weiter verringern: Bei halbem Tacho sinkt der Luftwiderstand auf ein Viertel. Also wer viel Zeit hat, mag dem Aufruf folgen und sich mit hundert Stundenkilometern auf Schienen durch Deutschland schaukeln lassen. Währenddessen kann er vielleicht in aller Ruhe weiter vergleichen:

Ein modernes Passagierflugzeug ist mit sparsamen Triebwerken ausgerüstet und kann auf Langstrecken hinsichtlich des Spritverbrauchs mindestens mit den PKW konkurrieren. Dazu trägt der niedrige Luftdruck bei, der in zehn Kilometer Höhe herrscht: Der schwächere Gegenwind ermöglicht hohe Geschwindigkeiten und damit eine Verkürzung der Reisezeit. Von Lübeck nach München (Umsteigen in Hamburg) dauert es nicht acht Stunden, wie bei der Bahn, sondern nur 50 Minuten.

Im Vergleich zu Bahn und Straße wird durch den Luftverkehr nur ein Bruchteil des Bodens versiegelt. Und je mehr der Himmel für das Reisen genutzt wird, umso weniger dicht müssen Netze von Straßen und Geleisen unsere Landschaft zergliedern und die Tierwelt in der Beweglichkeit einschränken. Die Bahn muss auch heute noch das verschmähte Glyphosat einsetzen, um ihre Trassen von Unkraut freizuhalten.

Die innerdeutschen Flüge zu verbieten, ist wieder einmal so ein neues Thema, mit dem man sich wichtigmacht, ohne die Hintergründe zu durchschauen und die Chancen zu erkennen. Die beiden Nordstaaten Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern liegen zum Beispiel am Rande Deutschlands und brauchen schnelle Verbindungen, um konkurrenzfähig zu sein, nicht nur im Tourismus, sondern auch für eine lebendige Kommunikation in Wirtschaft und Wissenschaft. Sie sind auf Feriengäste angewiesen und müssen sich gegenüber Regionen behaupten, die zentraler liegen.

Und wer als Tourist von Deutschlands Norden aus die Länder Europas oder anderer Kontinente besuchen will, wird in den meisten Fällen ins Flugzeug steigen, lieber in Lübeck als in Hamburg, und dann gegebenenfalls einen größeren Flughafen ansteuern, von dem aus er mit einem Anschlussflug an sein Ziel kommt. In Lübeck einchecken und einsteigen, in Rom, Dubai, Tokio oder New York aussteigen, ohne eine vorgeschaltete Irrfahrt mit der Deutschen Bundesbahn.

 

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